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„Ich bin für die Menschen da“
Eingestellt am Dienstag, 28. November 2017
Nur an einer Stelle erhebt sich Ralf Zilligen aus dem beigen Sofa in der gleichfarbigen Wohnung. „Der Leib Christi“, sagt der 46-Jährige, hält eine Hostie zwischen Zeigefinger und Daumen und legt sie dann in die Hände von Marianne Hafels. Die 91-Jährige sitzt ihm gegen­über in einem Sessel, aufstehen kann sie nicht mehr. „Amen“ ist statt­dessen ihre Antwort.
Vor vier Jahren hat Zilligen – blaues Hemd, schwarze Jacke, randlose Brille – eine Ausbildung zum Ständigen Diakon begonnen. Am 25. November 2017 wurden er und fünf weitere Männer im Kölner Dom zu diesem Dienst ge­weiht. Seit drei Jahren ist die katholische Gemeinde Sankt Clemens und Mauritius seine Mentoratspfarrei. Hier bringt er Alten und Kranken die Kommunion nach Hause, hier hilft er dem Pfarrer bei Gottes­diensten, hier hält er zweimal die Woche das Morgengebet, die sogenannte Laudes. Nach der Weihe darf Zilligen weitere Aufgaben übernehmen, zum Beispiel predigen, Kinder taufen oder Verstorbene beerdigen. „Als kleiner Messdiener lief ich nach dem Gottesdienst immer auf ein Wappen von Kar­dinal Frings zu“, erzählt er. „Der Wappenspruch lautete sinngemäß: ‚Ich bin für die Menschen da.‘ Ich denke, das ist ein Klassiker für einen Diakon.“ Es sei ihm wichtig, den Menschen zu dienen und sie an der christlichen Gemeinschaft teilhaben zu lassen.
Eine halbe Stunde eher: Zilligen setzt sich auf das Sofa in Marianne Hafels Wohnzimmer. Draußen brennen schon die Straßenlaternen. Der dreifache Familienvater hat einen langen Tag hinter sich. Er arbeitet in Vollzeit als Amtsvormund beim Jugendamt der Stadt Köln. Ständiger Diakon wird er zusätzlich zu seinem Zivilberuf. Dafür besucht er seit vier Jahren regel­mäßig Lehrveranstaltungen. Altes Testament, Neues Testament, Dogmatik, Moraltheologie – die Ausbildung gleicht einem Hochschulstudium inklu­sive Klausuren und Abschlussprüfungen. Die werdenden Diakone erhalten außerdem Gesangsunterricht; sie müssen wissen, wie sie eine Monstranz richtig halten, wie sie eine Predigt aufbauen und wie sie in einen Kirchen­raum so hinein sprechen, dass sie auch in den hinteren Reihen zu hören sind.
„Heute möchte ich mit Ihnen auf den heiligen Martin blicken“, sagt Zilligen zu Marianne Hafels. Die gewandelte Hostie in ihrer Pyxis – ein goldenes Döschen mit rotem Kreuz – legt er schon einmal auf dem Wohnzimmertisch parat. Eine knappe Stunde hat er die Hauskommunion vorbereitet. Am Ende halten die beiden noch einen Plausch. Die 91-Jährige hat im Ge­meindeblatt gelesen, dass Zilligen bald geweiht wird. Er bleibe aber weiterhin in Mülheim tätig, erklärt er ihr. „Das ist ja schön“, sagt sie und lächelt. Erst im Sommer 2019 endet die Ausbildung zum Ständigen Diakon. Trauergespräche führen, Kommunioneltern motivieren, Medienfragen beantworten – der Lehrplan ist voll. Ralf Zilligen drückt es so aus: „Es gibt noch einiges zu entdecken.“

Boten einer neuen Zeit

Der Dienst des Diakons gliedert sich in Caritas, Liturgie und Verkündigung. 1968 führte das Erzbistum Köln als erste Diözese weltweit den Beruf des Ständigen Diakons ein: Damals wurden am 28. April die ersten fünf ver­heirateten Männer im Kölner Dom geweiht. Ihnen sind allein im Erzbistum Köln bislang mehr als 400 weitere gefolgt.
Quelle: Erzbistum Köln


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